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Der Pilz, der aus der Fremde kam

Wer ist schon näher an der Natur dran als der Kleingärtner ? Er ist es, der ihren Puls verspürt und genau weiß wann sie wo krank ist. Mit viel Liebe und Zeitaufwand ist er mit Leib und Seele sozusagen erdverbunden und zurecht stolz auf seine Ernteerfolge. Umso ärgerlicher aber ist es, wenn sich immer wieder fremde, ungebetene Gäste wie Insekten, Pilze oder Wühlmäuse mit an den Tisch setzen und sich zu hartnäckigen Konkurrenten entwickeln oder gar die Pflanzen dauerhaft schädigen. Der Geplagte hat die Möglichkeit, entweder zu den reichlich im Handel angebotenen chemischen Hilfsmitteln zu greifen um das Problem kurzfristig zu lösen oder in einem langwierigen Prozess sich mit Mischkulturen oder anderen Hausmitteln gegen die Belästigungen zu wehren.

Leider entdecken wir immer wieder sogenannte Neobiota, das sind Tier- oder Pflanzenarten, Pilze oder Mikroorganismen, die in Luxemburg nicht heimisch sind, sondern erst durch den Einfluss des Menschen den Weg zu uns gefunden haben. Da sie bei uns keine natürlichen Feinde haben, können sie sich in relativ kurzer Zeit äußerst üppig vermehren auf Kosten unserer einheimischen Pflanzen.

Athelia rolfsii Sacc.: die Gemüse-Gewebehaut oder Südlicher Stängelbrenner.

Ein solcher Pilz ist die Gemüse-Gewebehaut oder Südlicher Stängelbrenner, Athelia rolfsii Sacc. Er besteht aus einer dünnen, spinngewebeartigen bis häutigen Struktur, die mit auffallend vielen, kleinen, harten Kügelchen besetzt ist, die sogenannten Sklerotien. Er wird auch oft unter dem Namen dieses Sklerotien-Stadiums beschrieben: Sclerotium rolfsii Sacc. Diese Gebilde bestehen aus Dauersporen und dienen dem Pilz als Reserve. Sie können selbst unter schwierigsten Bedingungen im Boden überwintern und warten auf bessere Zeiten um sich erneut auszubreiten. Der Pilz kann alle Gemüsearten befallen, scheint aber eine gewisse Vorliebe zu haben für Zwiebeln und Tomaten. Dass er bisher in Luxemburg noch nicht gefunden wurde, will nicht heißen, das er uns bisher verschont haben sollte, er ist leicht zu übersehen und kann allgemein als „vermuuscht“ abgetan werden. Seine Beseitigung erfordert Sorgfalt. Das betroffene Gemüse darf nicht auf dem Kompost landen und der ganze Bereich der von Sklerotien befallen ist, muss entweder abgetragen oder ganz tief umgegraben werden.

Das Naturhistorische Museum bittet Sie als Kleingärtner um ihre Mithilfe auf der Suche nach diesem Pilz. Entsprechende Meldungen werden mit herzlichem Dank im Voraus entgegengenommen von: Ben Schultheis, Tel. +352 691 83 37 70 oder über

Literaturnachweis

  • Kator L., Z. Y. Hosea & O. D. Oche 2015 – Sclerotium rolfsii; Causative organism of southern blight, stem rot, white mold and sclerotia rot disease. Annals of Biological Research 6 (11) : 78-89.